Eigentlich wollte ich schon seit letzter Woche Montag drüber schreiben, aber man kommt ja zu nichts. Am Abend vorher war ich nämlich in einer Kneipe. Ach sag bloß, werdet ihr jetzt sagen, nee echt war so. Da ich mit einem Freund länger an der Theke verweilte, durften wir uns irgendwann ganz alleine mit der Thekenkraft unterhalten. Eine Frau im besten Alter, mit einem abgeschlossenem Studium und dem Willen, jetzt endlich mal auf eigenen Füßen zu stehen.
Kanpp dreißig ist sie, seit zwei Jahren mit dem Studium fertig und hat wirklich keinen Bock mehr in der Kneipe zu arbeiten. Ihre Fähigkeiten sind gut, flexibel und weitreichend, umziehen wäre auch kein Problem, aber alles überhalb eines Praktika ist nicht zu haben und davon hat sie verdammt die Schnauze voll, denn das macht sie schon zum Xten mal.
Zurzeit arbeitet sie bei einer kulturellen Organisation vierzig Stunden und mehr in der Woche. Weil der Druck unheimlich hoch ist, traut sie sich abends kaum den Saftladen zu verlassen. Das muss sie aber, denn nach mindestens acht Stunden geht’s noch schnell in die Kneipe, damit sie irgendwie ihre Miete und Essen bezahlen kann. Denn für ihr Praktikum bekommt sie im Monat 200 Euro.
Da fällt mir nur noch eins ein: Scheisse!
Jetzt sagt ihr natürlich, was regt der sich so auf. Das ist doch völlig normal heutzutage. Und vielleicht noch: Mach dich mal locker.
Da sag ich nur: Scheisse!